Bericht von der Gemeindefahrt nach Bautzen

Gemeindefahrt nach Bautzen und in die Lausitz von 1. bis 5. Mai 2022

Wie Gutsherren durften sich 5 Tage lang die Teilnehmer der Kirchensittenbacher Gemeindefahrt in die Lausitz fühlen, denn untergebracht waren sie im Bildungsgut Schmochtitz vor den Toren Bautzens, herrschaftliche Gebäude, eingebettet in einen großen, gepflegten Park.

Bautzen war dann auch das erste Tagesziel der von Pfarrer Ekkehard Aupperle und Bürgermeister Klaus Albrecht organisierten Reise. Es oberhalb der Spree und wurde nach der Wende wieder zu seiner historischen Schönheit gebracht - dort gab es zunächst eine Stadtführung. Herausragend sind die 16 Türme und der große Dom ‚St.Petri‘, der seit der Reformation von beiden Konfessionen als sogenannte Simultankirche genutzt wird. Der Zaun, der Vorder-und Rückteil abtrennte, wurde im Laufe der Jahre immer niedriger, als Zeichen für die gute Ökumene, die sich entwickelt hat.

Der Name der Stadt ist unweigerlich mit dem Stasi-Gefängnis verbunden, in dem viele politische Häftlinge menschenunwürdig gefangen gehalten wurden, bevor sie von der Bundesrepublik freigekauft wurden. Dieses ist als Dokumentationsstätte erhalten und Besucher sind bedrückt, was man sich da so alles hatte einfallen lassen, um Menschen mit anderer Meinung, die Macht des Staates spüren zu lassen.

Schon auf dem Ortsschild steht unter ‚Bautzen‘ der sorbische Name ‚Budysin‘, auch das Zentrum für sorbische Kultur ist dort beheimatet. So hat sich die Gruppe an einem Abend erzählen lassen, wie die slavische Volksstamm durch die Völkerwanderung in diese Gegend gekommen ist und bis heute seine Sprache und seine Bräuche erhalten hat.

Der nächste Tag gehörte der Niederlausitz, und da dem Braunkohletagebau. Die Grube Welzow wird noch aktiv betrieben, Besucher werden in Gelände-LKW’s direkt vor Ort gebracht. So klein wie selten kommt man sich unter der Förderbrücke vor: Die F60 leistet gigantische Arbeit. Auf der einen Seite des Tagebaus trägt sie den Abraum ab und transportiert ihn dann einen halben Kilometer, quer über die offene Grube auf die andere Seite zum Verkippen. Unterhalb der Förderbrücke bauen fünf Bagger die Braunkohle ab, die 90 bis 130 Meter tief unter der Erde liegt. Das Zusammenspiel von Bagger und Förderbrücke gleicht einer präzisen Choreografie. Im Hintergrund sieht man schon die Schlöte des Kraftwerks „Schwarze Pumpe“, das täglich 18 Güterzüge von diesem „Schwarzen Gold“ braucht, um Strom zu erzeugen.

Schon beim Rausfahren aus der Grube sieht man die Versuche, die stillgelegten Gruben der Natur zurückzugeben. Z.T. werden daraus Seen, aber auch Äcker und Wälder mit schnellwachsendem Holz. Sogar Weinberge hat man angelegt.

Der Beauftragte für solche Renaturierungsmaßnahmen, Dr. Alexander Harter, nahm sich persönlich Zeit, um den Franken dies zu erklären.

Die Ehefrau des Sittenbächer Bürgermeisters, Simone Albrecht, stammt aus Bautzen, und so haben ihre Eltern den ganzen Bus eingeladen, einen Stopp in ihrer Datsche einzulegen. Und wirklich, alle 31 Teilnehmer waren beeindruckt, von der Wochenendidylle, die sie vor den Toren der Stadt geschaffen haben.

Herrnhut in der Oberlausitz ist eine Siedlung, die 1722 durch böhmische Glaubensflüchtlinge entstanden ist und ihren Charakter bewahrt hat. Vielen ist sie bekannt von den „Losungen“ – ein kleines blaues Büchlein, das ein tägliches Bibelwort bereithält. Zufällig erwischte die Gruppe den einen Tag im Jahr, an dem diese Worte gezogen werden – und das noch unter der Schirmherrschaft des bayerischen Landesbischofs, Heinrich Bedford-Strohm. Ebenso bekannt sind die Herrnhuter Sterne, mit ihren 25 Zacken, die vor allem in der Weihnachtszeit manche Wohnstuben erleuchten. Da kann man zuschauen, wie sie entstehen

Nicht weit davon liegt Görlitz, die alte Grenzstadt zu Polen. Oberhalb der Neiße thront die Kirche St.Peter und Paul. In ihr lauschte die Gruppe der „Sonnenorgel“, so genannt weil auf den 6000 Pfeifen zusätzlich 14 Sonnen mit eigenen Pfeifen angebracht sind. Von 1990 – 2015 wurde sie restauriert und gibt in der Kirche, von den Ausmaßen her eine große Kathedrale, einen überwältigenden Klang ab. Die vielen Plätze und Gassen konnte danach jeder selbst erkunden.

Auf der Rückfahrt gab es eine „fränkische Unterbrechung“ in Hainichen, nahe Chemnitz: Dieter Greysinger aus Osternohe ist dort Oberbürgermeister und zeigte „seine“ Stadt. Schritt für Schritt hat er den Wandel gestaltet, von einst vorherrschenden Textilfabriken zur Handels- und Schulstadt. Viele Sittenbächer kannten ihn von seiner Zeit, als er noch bei den „Talern“ Fußball spielte; seinen herzerfrischenden fränkischen Dialekt hat er sich von den Sachsen nicht nehmen lassen – zuletzt wurder er mit 80% wiedergewählt. Nach einer Bootsfahrt auf der Talsperre Kriebstein wurde die endgültige Heimfahrt angetreten.

Gesättigt mit guten Eindrücken und von der Sonne beschenkt, waren alle froh, dabei gewesen zu sein.