Wort zum Tag 27.04. bis 02.05.

02.05.2020

Liebe Sittenbächer Gmaa!

Ab kommenden Montag, 4.5., dürfen die Kirchen wieder über Gottesdienste nachdenken. Wir freuen uns darüber und sind gespannt, wie wir wieder „in Tritt kommen“. Unser Meßner, Frank Ottmann, hat bereits Zeichnungen zu einer möglichen Sitzplatzaufteilung erstellt, denn es soll immer ein Abstand  von 2m zwischen den Besuchern garantiert sein. Keine Sorge, jeder wird durch Platzkennzeichnung einen Platz zum Sitzen finden, außerdem helfen Personen an den Türen weiter.

Vieles ist also schon vorbereitet für die Wiederaufnahme von Gottesdiensten, trotzdem muss unser Sicherheitskonzept noch vom Dekanat genehmigt und dem Gesundheitsamt zur Überprüfung vorgelegt werden.

Wir sind also auch gespannt, wann wir wirklich anfangen dürfen!

Morgen sind wir wieder auf die technischen Übertragungen angewiesen.

Zum einen – wie bekannt im Fernsehen beim ZDF. Der Gottesdienst kommt diesmal aus Ingelheim in Hessen und beginnt um 9.30 Uhr. Die Predigt hält sogar uns Landesbischof, Heinrich Bedford-Strohm. Um 10.15 Uhr überträgt das Bayerische Fernsehen einen evangelischen Gottesdienst aus Tübingen.

Rumgesprochen hat sich bereits der „Sofa Gottesdienst“! Das Pfarrersehepaar Hoepfner aus Offenhausen bietet den jeden Sonntag um 9.07 Uhr an – nach dem Sonntagsläuten direkt aus der Nikolauskirche. Schauen Sie rein unter www.offenhausen-evangelisch.de .

Sonntags um 10.30 Uhr darf man unter www.lauf-evangelisch.de in der Christuskirche dabei sein.

Prediger Alexander Pauli von der LKG Hersbruck lässt uns teilhaben an seinem Gottesdienst unter www.lkg-hersbruck.de

Unter www.kirchemitkindern-digital.de gibt es den Kigo der Kirchen. Und auf youtube findet man auch unter „online-kigo“ ganz schöne Kindergottesdienste mit vielen Bastelanleitungen.

Ganz wichtig: Unsere Kirche ist offen! Gehen Sie gerne rein und zünden eine Kerze an.

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Bildrechte: WZT0205

Nicht erschrecken: Auf der Patronatsseite ist ein Gerüst aufgestellt. Es stört nicht weiter, weil es nahe der Wand steht

Die Zimmerer brauchen es, um beschädigte Dachbalken auch von innen her zu stützen.

Um 9.00 Uhr werden 5 Minuten lang alle Glocken läuten – bei uns sowie im ganzen Dekanat!

Möge uns der Sonntag als „Tag des HERRN“ wieder zum Segen werden!

In herzlicher Verbundenheit,

Ihr Pfarrer Ekkehard Aupperle


01.05.2020

Liebe Sittenbächer Gmaa!

Vielleicht kennen Sie noch die Rätselfrage, die auch wir als Kinder gerne gestellt haben: „Warum ist es gefährlich, im Mai spazieren zu gehen?“ Antwort: „Die Bäume schlagen aus!“ – getreu der Liedstrophe Emanuel Geibel von 1841: „Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus“. Dieses Lied ist noch immer sowas wie die „Nationalhymne“ zu Beginn dieses Wonnemonats. Die Wandervogelbewegung rief zum Mai-Ausflug auf, die Züge waren übervoll und brachten die Wanderer aus den Städten hinaus in die Natur. Nach der Bewegung an der frischen Luft wurde eingekehrt und dann zum Tanz aufgespielt. Die jungen Mädchen trugen dabei einen Blumenkranz aus den ersten Wiesenblumen im Haar.

Bis auf den „Tanz in den Mai“ kennen wir zumindest Teile dieser Art, in den Mai zu gehen. Nicht zu vergessen, dass in vielen Gegenden auch noch der Maibaum aufgestellt wird.

„Bräuche“ nennt man das – viele manchen mit, weil sie alle den gleichen inneren Antrieb spüren. Der Winter war lang und hatte viel an Lebenskräften unterdrückt – jetzt muss man endlich raus und das Leben wieder spüren!

Jetzt in diesen Tagen hört man öfter, am meisten würde vermisst, dass man sich unbeschwert in einen Biergarten setzen kann und die erste kühle Maß unterm Kastanienbaum die Kehle hinunterrinnen lässt. Lebensenergien werden z.Zt. zurückgehalten – man darf nicht so, wie man gerne möchte.

Rein äußerlich sind uns Hände und Füße gebunden, auch innerlich legt uns die Unsicherheit sowas wie Fesseln an.

Für viele – auch für mich – ist das eine neue Erfahrung zum 1.Mai.

Trotzdem habe ich das Erwachen der Natur in diesem Jahr besonders dankbar aufgenommen. Besonders der zarte Austrieb der Buchenblätter hat mich eingenommen – erst lindgrün, dann zunehmend kräftiger im Grün. Als gebürtiger Nürnberger kennt man ja eher den „Steckerleswald“ und da sind Buchen rar – anders im Sittenbachtal.

Die Kraft der Natur kann auch innere Kräfte wecken, die aus Aussichtslosigkeit herausziehen. Ich bete täglich darum.

Beim Propheten Jesaja lesen wir so schön: „Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.“ (Jes.40,9,).

Ein „Unvermögender“ ist einfach einer, der gerade nicht so gerne kann, wie er wollte. Das kommt uns doch bekannt vor!

In herzlicher Verbundenheit,

Ihr Pfarrer Ekkehard Aupperle


30.04.2020

Liebe Sittenbächer Gmaa!

Die Nacht vom 30.April auf den 1.Mai hat es in manchen Gegenden auf sich – da trägt sie den Namen „Freinacht“.
 


In der ersten Pfarrstelle, Unterampfrach bei Feuchtwangen, hatten wir sie besonders deutlich erlebt. Musste ich doch dann am Morgen des 1.Mai erstmal im ganzen Dorf rumlaufen und etwa das Hoftor oder die Grüne Tonne zu suchen und wieder zurückzubringen. „Freinacht“ wurde dort von den Jugendlichen als Generalerlaubnis betrachtet, alle Dinge wegzuschleppen, die zu zufällig nicht fest verankert sind. Manchmal wurde auch die Gelegenheit genutzt, bei sogenannten „Schlamperern“ den Hof „aufzuräumen“. Zwischen Pärchen, die sich bislang heimlich trafen, wurde mit Kalkfarbe ein Verbindungsweg auf die Straße gepinselt…

Es war also einiges los und ich habe immer gute Miene zum bösen Spiel gemacht – klar, denn ab 9 Uhr am 1.Mai wurde ja gemeinsam der Maibaum aufgestellt. Bei manchen meinte ich ein schadenfrohes Lächeln auf dem Gesicht zu sehen, man hat den ‚Pfarr‘ mal wieder geärgert.

Die Nacht zum 1.Mai – da sind in anderen Gegenden die Hexen unterwegs und man nennt es ‚Walburgisnacht‘. Heftig ist es jedes Mal in Berlin zu, wenn sich Autonome aus ganz Deutschland zu Krawallen treffen. Alles das ist in Corona-Zeiten strengstens untersagt.

Wo es ursprünglich herkommt? Man vermutet, dass zu Beginn des „Wonnemonats“ endgültig der Winter ausgetrieben werden sollte und damit die finsteren Alpträume. Es gab ja kein elektrisches Licht in der dunklen Jahreszeit und die lange Nächte brachten schon am Trübsinn und schwere Gedanken. „Alles neu macht der Mai“ hieß es deswegen – die Natur blüht auf, die ersten Gartenfrüchte wie Rhabarber und Erdbeeren konnten bald geerntet werden und mit ihnen die so entbehrten Vitamine und Lebenskräfte.

„Siehe, ich mache alles neu!“ – verspricht uns Jesus in der letzten Seite der Bibel. Damit endet praktisch dieses Buch. Schwere Zeiten werden nicht verschwiegen – auch das intensive Bemühen Gottes uns in allem seine Nähe zukommen zu lassen. „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offb 21,5) bildet den Schlussakkord des Ganzen. Bei allen Mißklängen vorher, erklingt am Ende ein wunderbarer Zusammenklang. Im Wechsel der Jahreszeiten kommt der Mai diesem Ton am nähesten.

In herzlicher Verbundenheit,

Ihr Pfarrer Ekkehard Aupperle


29.04.2020

Liebe Sittenbächer Gmaa!

Es ist ruhig geworden in unserer Gemeinde, in unseren Städten, in unserem Land. Wenige Menschen auf den Straßen und Plätzen. Keine Flugzeuge, kein Stau, kaum Wanderer oder Spaziergänger, auf den vielen Wanderwegen in unserer Gemeinde.

Wenn ich auf dem Friedhof die Gräber gieße, dann begegnet man sich freundlich, aber mit Abstand. Die diffuse Bedrohung, die von dem so winzigen und doch so gefährlichen Virus ausgeht, hat uns alle erreicht. Vorsicht ist angesagt im Umgang miteinander, damit man sich nicht gegenseitig ansteckt. Und es ist gut, dass die Menschen sich so konsequent daran halten.

Still ist es auch in unseren Kirchen und Gemeinden. Keine Gottesdienste, keine Veranstaltungen. Wir sind alleine mit unseren Familien, mit uns selbst. Gut, dass es Internet, Skype, WhatsApp, Podcasts und vieles mehr gibt, damit wir trotz allem in Verbindung bleiben können. Aber für den direkten Kontakt, den persönlichen Austausch mit Menschen, das Erlebnis in der Gruppe oder zusammen als Gemeinde ist das ein kläglicher Ersatz. Da merke ich, wie wichtig für mich der direkte Kontakt, ein Händedruck, eine Umarmung ist und wie sehr mir das in diesen Zeiten fehlt, wie sehr ich mich nach einem Stück Normalität sehne.

Gerne setze ich mich immer mal wieder in unsere stille Kirche, nach Feierabend wenn die Renovierungsarbeiten ruhen. Ich bin dankbar dafür, dass ich eine Kerze anzünden kann und ein Gebet sprechen für Menschen, die mir am Herzen liegen und die ich gerade nicht besuchen kann. Ich bin dankbar für die Nähe zu meinem Gott, die ich in der Stille umso mehr spüren kann.

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Bildrechte: Elisabeth Stiegler

Sei still und wisse, ich bin Gott
Sei still und wisse, ich bin
Sei still und wisse
Sei still
Sei

Die Meditation dieser Zeilen, jede mehrmals beim atmen wiederholt bis man die nächste Zeile nimmt, sind eine gute Möglichkeit für mich, in der Stille meine Gedanken und mich selber zur Ruhe zu bringen.

Das gibt mir Kraft, Mut und Hoffnung, dass nach dieser Zeit auch wieder eine andere kommt. Ich vertraue darauf, dass Gott diese schwierige Zeit zu einem guten Ende führen wird.

Bleiben sie behütet

Ihre Elisabeth Stiegler


28.04.2020
 

Liebe Sittenbächer Gmaa!

Trotz langsamer Lockerungen sind wir alle noch ans Haus gebunden. Da steckt jeder in einer anderen Situation: viele merken in diesen Tagen noch stärker, dass sie alleine leben; die Kontakte, die man ja trotzdem braucht, sind stark eingeschränkt – jetzt gibt es manchmal zu viel Rückzug, auch von anderen.

Wiederum sind Familien noch enger aufeinander bezogen, in den vier Wänden kann man sich kaum mal aus dem Wege gehen. Wer kleine Kinder hat, ist natürlich besonders gefordert; Familien, in denen die Kinder schon fast aus dem Haus waren, werden in ihre ursprüngliche, enge Gemeinschaft zurückgestellt.

Klar hört man jetzt häufig von den Vorteilen des Landlebens, wir könnten jetzt wenigstens raus – was sollen die erst sagen, deren Wohnung in einer langen Häuserzeile liegt – wohl wahr!

Immer wieder gibt es die Frage, ob es durch die Corona-Krise jetzt mehr Scheidungen oder umgekehrt eher mehr „Corona-Babys“ geben wird? Dahinter steckt natürlich die Frage, ob Enge die Paare einander näher bringt, oder sie eher gegeneinander aufbringt und aufreibt?

An Ratgebern für das Zusammenleben fehlt es deshalb nicht. Noch immer unvergleichlich halte ich dabei “Die fünf Sprachen der Liebe“ von Gary Chapman. Kurz zusammengefasst: Gute Worte der Anerkennung füreinander / kleine Nettigkeiten, die den Partner beschenken wollen / praktische Mithilfe im Alltag / Zeit für Zeit miteinander / häufige zärtliche Berührungen.

Er deckt damit ein breites Band ab für das Zusammenleben. So sind z.B. nette Worte wenig wert, wenn man sich andererseits vom anderen nur umsorgen lässt. Da kommt das eher rüber wie ein Zuckerstück für ein Arbeitstier – und viele weitere Widersprüche im Alltag kann man vorher abfangen.

Eine große Beziehungsfalle sehe ich darin, sich gegenseitig mit Erwartungen zu überfordern. Schon der alte römische Philosoph Erasmus gab mit Augenzwinkern die Einsicht weiter: Es sei immer besser mit dem zweitbesten Partner verheiratet zu sein – der Traumpartner wechsle zu häufig, da falle einem ständig jemand neues ein.

Behalten wir also den Humor und damit eine gewisse Leichtigkeit miteinander!

In herzlicher Verbundenheit,

Ihr Pfarrer Ekkehard Aupperle


27.04.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Tageslosung für den 27. April stammt aus dem 1. Buch Mose Kapitel 3, die Sündenfallgeschichte.

Nachdem sich Eva und Adam von der Schlange verführen ließen, in der Hoffnung sie würden sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist. Da gingen ihnen die Augen auf und sie wussten, dass sie gegen Gottes Gebot verstoßen hatten. Sie schämten sich und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes.

Kann man sich vor Gott verstecken? Im Psalm 139 heißt es: und nähme ich Flügel der Morgenröte und flöge bis ans Ende des Meeres, so wärst du auch da. Gott ist überall und er sieht alles! Zu meiner Kinderzeit haben das Eltern immer wieder dazu missbraucht, um ihren Kinder Angst zu machen.

In den 1970er Jahren hat der Psychologe Tilman Moser ein Buch geschrieben, Gottesvergiftung. Darin erzählt er von seinen Ängsten vor Gott, die man ihm als Kind einredete. Gott sieht alles und die Spatzen sind seine Spione. Er entwickelte so eine Angst, dass er seinen Glauben an Gott absagte. Müssen wir solche Ängste vor Gott, dem unbarmherzigen Richter haben?

Sie wissen, Martin Luther ging es ähnlich. Er ist an der Angst vor dem gerechten Richter-Gott fast zerbrochen, bis er das Evangelium wieder entdeckte. Nicht durch eigene Gerechtigkeit, sondern durch den Glauben an die Erlösung durch Jesus sind wir befreit und erlöst. Luther sagt dazu: Da wart mein Herz wieder fröhlich. Diese Freude bringt uns auch der heutige Lehrtext: Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! Gott ist kein Richter oder Spion, der uns ständig nachgeht, um uns zu überführen und zu bestrafen. Im Gegenteil, er ist wie ein Vater oder eine Mutter, die  hinter ihren Kindern stehen, um sie vor Gefahren zu beschützen.

Ich bin froh, diesen Vater bei mir zu wissen. Und in wie vielen Situationen hat er mich bewahrt und gerettet. Nicht der Zufall oder das Glück sind meine Retter, sondern Gottes fürsorgende Liebe, die mir nachgeht wie fürsorgende Eltern. Wie ein Kind, dass nicht Angst haben muss vor seinem Vater oder seiner Mutter.

Als Kinder Gottes dürfen wir rufen: Lieber Vater! Und dieser Vater hört mich und dich. Nicht, dass wir alle Wünsche erfüllt bekommen, sondern mit der Gewissheit, dass dieser Vater das Beste für mich will und das nicht nur heute und morgen, sondern für alle Ewigkeit. Dass ich mir dessen so sicher sein kann, zeigt mir die Geschichte Jesu von Ostern und meine eigenen Erfahrungen, dass Gott in guten und schweren Zeiten mich führt. In diesem Sinne dürfen wir unsere Sorgen in Gottes Hand legen, ob persönliche Nöte oder die Frage, wie geht es mit Corona weiter,oder wird sich die Wirtschaft wieder erholen? Wir sind nie allein, unser himmlischer Vater ist mitten im Leben bei uns (Dietrich Bonhoeffer) und wir können nicht tiefer fallen als in seine Vaterhände. Diese Freude und Zuversicht möge sie und uns alle in diese neue Woche führen. Amen
Ihr Georg Scharrer