Wort zum Tag - 13.04. bis 18.04.

18.04.2020

Liebe Sittenbächer Gmaa!

Wann wir wieder Gottesdienst in unseren Kirchen feiern dürfen, erfahren wir wahrscheinlich in einigen Tagen. Spannend wird auch, in welcher Form das dann ablaufen soll – Platz haben wir ja in unserer Kirche reichlich, sodass auch alle Abstandsregeln eingehalten werden können.

Wir können unsere Kirche innen weiterhin voll nutzen, die Sanierungsarbeiten erfolgen außen und ich staune täglich über die Fortschritte. Vielleicht kann man bei Vorbeifahren die grüne Folie sehen, die schon große Teile des Daches überspannt. In diesem Teil wurden dann die Dachlatten und Ziegel schon entfernt und der Grund entschuttet. Man hat ja bei vorherigen Sanierungen den Schutt einfach auf dem Dach liegen lassen. Jetzt soll die Decke wieder atmen können und nicht mit feuchtem Schutt belastet sein.

Derzeit müssen wir noch mit Übertragungen auskommen. Da konnten wir ja zu Ostern selbst etwas aus unserer Kirche zeigen und haben viele dankbare Rückmeldungen erhalten.

Die sonntägliche Gottesdienstübertragung im ZDF ist sicher am bekanntesten. Er kommt diesmal aus Bensheim in Hessen und beginnt um 9.30 Uhr. Um 10.15 Uhr überträgt das Bayerische Fernsehen einen evangelischen Gottesdienst aus Lemgo.

Rumgesprochen hat sich bereits der „Sofa Gottesdienst“! Das Pfarrersehepaar Hoepfner aus Offenhausen bietet den jeden Sonntag um 9.07 Uhr an – nach dem Sonntagsläuten direkt aus der Nikolauskirche. Schauen Sie rein unter www.offenhausen-evangelisch.de .

Sonntags um 10.30 Uhr darf man unter www.lauf-evangelisch.de in der Christuskirche dabei sein.

Prediger Alexander Pauli von der LKG Hersbruck lässt uns teilhaben an seinem Gottesdienst unter www.lkg-hersbruck.de

Unter www.kirchemitkindern-digital.de gibt es den Kigo der Kirchen. Und auf youtube findet man auch unter „online-kigo“ ganz schöne Kindergottesdienste mit vielen Bastelanleitungen.

Ganz wichtig: Unsere Kirche ist offen! Gehen Sie gerne rein und zünden eine Kerze an.

Wir beteiligen uns natürlich am gemeinsamen ökumenischen Festgeläut! An allen Sonn- und Feiertagen werden um 9.00 Uhr 5 Minuten lang alle Glocken läuten – im ganzen Dekanat!

So werden wir den Sonntag wieder gemeinsam überstehen.

In herzlicher Verbundenheit,

Ihr Pfarrer Ekkehard Aupperle


17.04.2020

Die Tageslosung für diesen Freitag finden wir im Psalm 71,3:

„Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann,
der du zugesagt hast, mir zu helfen.“

Bei diesem Wort fällt mir sofort meine kleine Enkeltochter ein. Wenn sie ein Problem hat, dann rennt sie schnell zu ihrer Mama, die nimmt sie in den Arm und alles wird wieder gut. Wahrscheinlich haben sie als Kind ähnliches erlebt, Mutter oder Vater waren der Hort, die Schutzburg, in die wir fliehen konnten.

Als Erwachsene sind es der Ehepartner oder ein guter Freund oder eine Freundin, bei der wir Sicherheit und Geborgenheit finden. Ich fühle mich geborgen und beschützt.

Im Mittelalter bauten sich Menschen Burgen wie die Burg Hohenstein oder in Kirchensittenbach die Kirchenburg, in der man Schutz fand, wenn Feinde kamen und das Dorf überfielen. Heute sichern wir unsere Wohnung mit Schlössern und Gittern und wir fühlen uns daheim sicher vor vielen Gefahren. Doch nicht alle Gefahren lassen sich mit Mauern und Gittern abwehren.

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Bildrechte: Georg Scharrer
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Bildrechte: Georg Scharrer

 

 

 

 

 

 

 

 

Viele werden jetzt sofort an das Corona Virus denken. Ein kleines Virus , das man nur mit einem starken Mikroskop sichtbar machen kann und gegen das Forscher noch verzweifelt nach einem Schutz suchen. Oder seelische Nöte sind nicht einfach mit einer Therapie oder mit Tabletten zu lösen.

Wer kann uns da helfen?

Der Psalmbeter hat seinen Hort, seine Zuflucht bei Gott gefunden. Er ist der gute Hirte, der Fels oder die Burg, bei der er Hilfe findet und der Beter kann sich sicher sein, denn Gott hat es bei seinem Namen, Jahwe, versprochen: Der heißt: Ich werde da sein! Du kannst mir vertrauen! Aber manche Menschen klagen, dass Gott nicht immer geholfen hat. Sicher Gottes Hilfe geht manchmal andere Wege und erst im Nachhinein sehen wir, dass sein Weg der richtige war. Auch Jesus hat im Garten Gethsemane mit seinem Vater gerungen: Alles ist dir möglich, so lass diesen Kelch an mir vorübergehen, aber nicht mein sondern dein Wille geschehe.

Am Ostermorgen zeigt sich Gottes Macht, die stärker ist als der Tod. Jesus sprengt den Felsen des Todes und bringt die Erlösung für alle. Aus diesem Grund dürfen auch wir zu Gott flüchten. Bei ihm finden wir Geborgenheit und Hilfe in allen Nöten. Ein Trost ist mir in solchen Situationen immer das Ende des Vaterunsers: … denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Gott gibt uns sein Versprechen, dass wir mit allen Sorgen und Bitten zu ihm kommen dürfen und wir können sicher sein, er wird und kann uns helfen. Gott ist unser starker Hort, zu dem wir immer fliehen können und der uns hilft.

Einen gesegneten Tag wünsche ich Ihnen.
Ihr Georg Scharrer

 


16.04.2020

Liebe Sittenbächer Gmaa!

Gestern wurden die mit Spannung erwarteten neuen Regeln verkündet, was Ausgangssperre, Versammlungsverbot, Schulbesuch usw. betrifft. Ich denke vor allem die Schulkinder waren enttäuscht, hatten sie doch gehofft, dass es wieder weitergehen kann, aber auch die Eltern stehen dadurch vor neuen Fragen, wie sie die Kinder weiter bei Laune halten sollen.

Kinder haben die Begabung, einen aus der Beschäftigung mit sich selbst herauszureißen. Wenn die schreien, lässt man alles stehen und liegen, haut sich selbstverständlich auch mal die Nacht um die Ohren. Reinhard Mey, der große Liedermacher, hat das so zusammengefasst: „Keine ruhige Minute ist seitdem mehr für mich drin – und das geht, wie ich vermute, bis ich 100 Jahre bin!“. In der Kinderphase fühlen sich Eltern so gefordert, dass sie fürchten, das  hört nie auf.

Wenn sie dann flügge werden, fühlen sich die Erziehungsverantwortlichen erstmal erleichtert. Irgendwann macht sich das Gefühl breit, dass was fehlt und die anstrengenden Zeiten bekommen einen ganz anderen Anstrich: es war doch eine schöne Zeit…

Gut, man hat jetzt mehr Zeit für sich, kann an etwas dranbleiben, zurückgelegte Wünsche ausleben.

Die Gefahr ist, dass sich dann die Welt immer mehr um mich dreht. Sie kennen ja den Spruch: „Weltmacht mit drei Buchstaben?“ – „Ich“. Die Kinder hätten einem das gar nicht erlaubt.

Die Schattenseite daran: Die Welt und das Leben werden für einen wieder bedrohlicher. Viele blicken dann nur noch sorgenvoll auf die Zukunft, weil sich Entwicklungen andeuten, die einem nicht passen. Die Sorge, Hauptsache wir kommen mit den Kindern klar, wurde ersetzt durch die Sorge, kann ich mein Leben so gestalten, dass es für mich passt.

Diese Entwicklung im Lebenslauf hat sogar einen Namen: „Kopernikanische Wende“!

Der Domherr und Naturwissenschaftler Nikolaus Kopernikus hat im Mittelalter die Weltsicht verändert. Seine Einsicht war: nicht die Sonne dreht sich um die Erde, sondern die Erde um die Sonne. Wir sind nicht die Mitte des Universums, die Mitte der Welt.

Manchmal scheint es so, als wäre diese Wende an uns vorbei gegangen: Wir reden immer noch vom „Lauf der Sonne“ halten uns selbst für den Mittelpunkt der Welt. Ein Rückzug, der egoistisch machen kann: Damit ich zufrieden sein kann, hat sich alles meinen Vorstellungen anzupassen, sonst ziehe ich mich auf meine eigenen vier Wände zurück. Dann erst wirklich: „Die Welt dreht sich nur um mich.“, der Horizont wird immer kleiner.

Ein gesundes Gottvertrauen kann aus dieser Sicht befreien. Gott hat alle im Blick, natürlich auch mich. Deshalb will er meinen Blick weiten, dass der andere drin vorkommen kann. Der Liederdichter, Johann Cramer hat uns das im Gesangbuch so vermittelt:

„Wenn wir in Frieden beieinander wohnten,
Gebeugte stärkten und der Schwachen schonten,
dann würden wir den letzten heilgen Willen
des Herrn erfüllen.  (EG 221, 2).

Aus dem „Doppelgebot der Liebe“ kennen wir es so:

"Du sollst Gott, lieben und deinen Nächsten wie dich selbst!“ (Lk.10,27)

In herzlicher Verbundenheit,

Ihr Pfarrer Ekkehard Aupperle

 

 


15.04.2020


Liebe Gemeinde,

Wie geht es uns allen?
Das letzte Mal, dass ich etwas geschrieben habe, ist schon mehr als 2 Wochen her. Ostern liegt mittlerweile hinter uns.
Viel hat sich nicht verändert, zumindest bei mir. Arbeit passiert bei mir immer nur noch im Homeoffice. Die paar wenigen Ausflüge, wenn man das so nennen kann, dienten entweder der Versorgung mit Essen oder Material für unseren Garten.
Man könnte meinen, dass auch Ostern, das wichtigste Fest für uns Christen einfach nur so vorbei gegangen ist, so als Randnotiz im Kalender. Es war schon sehr ungewöhnlich, allen nur per Telefon, Whatsapp oder Mail einen Ostergruß zu senden. Nach vielen Jahren gab es heuer ja auch keinen Osternachtsgottesdienst. Das Osterfrühstück im Gemeindehaus fiel aus. Ja, ich habe unsere Traditionen an Ostern vermisst.
Aber: Ostern hat dann doch noch stattgefunden. Nein, nicht, was Sie vielleicht jetzt denken: auch wir haben zu Ostern niemanden getroffen oder heimlich Gottesdienst gefeiert. Nein, Ostern hat online stattgefunden.

Sehr kurzfristig entschlossen, haben wir mit einem kleinen Team einen kurzen Ostergottesdienst aufgezeichnet und über Youtube veröffentlicht. Die Resonanz war durchweg positiv. Eine Bemerkung, die öfter kam, war, dass es gut war, wieder ein Lebenszeichen aus unserer Kirche zu haben, die Kirche mal wieder zu sehen. Ja, unsere Kirche liegt vielen Menschen wirklich am Herzen. Wie sehr, das merken wir erst, wenn wir sie gerade nicht haben können.
Wer das Video nochmal sehen will, findet auf unserer Kirchenhomepage auch den Link dazu. Vielleicht auch ein Vorteil des Internets: Der Gottesdient ist sozusagen konserviert für später. Er ist nicht weg nach dem Schlussläuten. Wir werden sehen, was aus diesem ersten Online-Versuch wird, in wieweit dieses Format uns in Zukunft bei uns Bestand haben wird.

Das Thema im Online Gottesdienst war Ostern 2020 – trotzdem Grund zur Freude. Lasst mich hier nochmal den Faden aufnehmen und noch ein paar Gedanken anhängen.
Ostern erinnert uns an die Auferstehung Jesu von den Toten. Das sagen wir als Christen ganz leicht dahin, das sprechen wir im Glaubensbekenntnis. Das ist aber alles als einfach zu verstehen. Wir leben in einer Welt der Wissenschaften, des Faktischen, des geschriebenen Wortes. Auch unser Glaubensbekenntnis muss sich dieser Vernunftwelt stellen. Mit dem größten Teil des Glaubensbekenntnisses kann die Wissenschaft aber wenig anfangen, weil Methoden der Beweisführung fehlen. Wenn wir sagen: „Ich glaube an Gott den Vater, den Schöpfer…“, dann ist dieser Gottesbeweis wissenschaftlich nicht durchführbar. Gott in seiner Existenz und seinem Wirken lässt sich mit Wissenschaft nicht beweisen, aber auch nicht widerlegen. Da kann auch Richard Dawkins in seinen Büchern gegenteiliges behaupten: An Gott zu glauben, das steht in keinem Konflikt mit Wissenschaften.
Lediglich an einem Punkt, und das ist der zentrale Punkt, an dem wir uns meiner Meinung nach von allen anderen Religionen unterscheiden, treten wir in den Konflikt mit der Wissenschaft: Auferstehung. Wir glauben an einen, der von den Toten auferstanden ist. Unser gesamtes Bild von Gott, das uns in den Evangelien beschrieben wird, wird erst durch die Auferstehung beglaubigt. Ohne Auferstehung, ohne dieses höchst provokante Zeichen, wäre alles, das Jesus über das Wesen Gottes sagt, nur eine Meinung. So wie viele im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende eine Meinung zu Gott hatten.
Und die Auferstehung kann sich der Wissenschaft stellen. Und was sagt die Wissenschaft dazu? Es ist unmöglich, dass einer, der einen Foltertod mit Lanzenstich in den Oberbauch erlitten hat, nach 3 Tagen aus einem verschlossenen und bewachten Felsengrab aufersteht. Auch damals haben die Menschen es nicht glauben können.
Aber es gab Zeugen. Die gleichen, die ihn sterben sahen, sind dem Auferstandenen begegnet. Die Juden zur damaligen Zeit konnten dem nichts dagegensetzen als Verfolgung und Druck, im Sinne: Es ist wahr, aber wir sperren jeden ein, der das weitererzählt. Die Römer und Griechen, selbst sehr gebildet, haben die Auferstehung als „Schmarrn“ abgetan, als Witz. Paulus schreibt treffend: „Den Juden ein Ärgernis, den Griechen eine Torheit“. Der Wissenschaft dann auch eine Torheit, ein Blödsinn.
Dennoch kann man die Auferstehung auch nach fast 2000 Jahren noch wissenschaftlich nachvollziehen. Wir können sie im Detail zwar nicht wissenschaftlich verstehen, wir können sie nicht nachmachen, aber wir können nachvollzeihen, dass dieser Jesus tatsächlich auferstanden ist. Woran?
An den Auswirkungen. So wie wir wissen, dass vor 65 Millionen Jahren ein Meteoriteneinschlag die Dinosaurier ausgelöscht hat, obwohl von uns keiner dabei war, genauso kann man die Auferstehung nachweisen: An den Auswirkungen, die bis heute zu sehen sind.
Es gibt Zeugenberichte, die Jesus gesehen und gesprochen haben. Gut, das kann vielleicht bezweifelt werden. Dann ist da Paulus, der sein Erweckungserlebnis mit Jesus direkt hatte. Wie könnte die Paulinische Theologie und Jesuskenntnis sich entwickelt haben, ohne dass Paulus Jesus nicht direkt gesehen hätte? Und dann die Tatsache, dass aus den Jüngern Jesu seine Apostel wurden, Gesandte, die in seinem Auftrag ihr Leben riskiert haben und, wie z.B. Thomas (ja, der ungläubige Thomas) das Evangelium von Jesus bis nach Indien ins heutige Kerala getragen haben? Woher haben die ganzen Angsthasen, die sich nach der Kreuzigung versteckt haben, wieder in ihre alten Berufe gingen, ja woher kam plötzlich dieser Mut, die Story vom Auferstandenen Jesus, vom Reich Gottes, das angebrochen ist, in die Welt zu tragen und sogar dafür zu sterben? Und sterben für etwas, das gar nicht stimmt, das wollte vor 2000 Jahren auch keiner.
Für mich ist die Auferstehung in der Tat die Hoffnung, die von Ostern ausgeht. Gott hat Macht, auch das in unseren Augen schlimmste zum Guten zu wenden. Gott ist immer im Regiestuhl, auch wenn wir ihn nicht sehen, oder verstehen. Gott ist bei uns, er selbst ist an diesem Kreuz gestorben, nichts ist ihm fremd an Leid, Hass und Spott. Gott wird in Jesus erst zu diesem guten Hirten, dessen Stecken und Stab tröstet. Greifbar nah.

Der Herr segne Euch.

Herzlichst,
Erich Söhnlein
Lektor


14.04.2020

Liebe Sittenbächer Gmaa!

Als Laien diskutieren wir zwangsläufig mit den Leuten, mit denen wir gerade in Verbindung stehen, wie das mit der Corona-Krise wohl weitergehen mag – z.B. ob es schon einen Übergang in einen halbwegs normalen Alltag geben kann, oder ob das noch zu früh ist. Ich kann mir bei diesen Gesprächen meistens nicht verkneifen, dass ich froh bin, dass ich so etwas nicht entscheiden muss; ich beneide niemanden, der in dieser Position ist!

Hier bin ich mal gerne „ohnmächtig“ – ohne Macht!

Aber es machen sich auch andere, eher beängstigende Ohnmachtsgefühle breit – wie wird das weitergehen, wie werden die Nachwehen aussehen für unsere Gesellschaft, die Kirche, meine Familie…?

Solche Ohnmachtsgefühle können fesseln und die Frage ist, ob es trotzdem etwas gibt, dass uns „entfesselt“, d.h. so stark ist, dass es einen heilsamen Gegenpart in unseren Gedanken spielen kann.

Wie gesagt, an den äußeren Umständen können wir wenig ändern, aber Krisen können uns persönlich auch weiterbringen – das haben wir sicher durchaus schon an uns selbst erlebt.

Pierre Stutz verwendet dafür gerne das Wort „Verwandlung“! Er wird als der „Anselm Grün der Schweiz“ bezeichnet, ist also ein vielgelesener geistlicher Begleiter.

In seinem Buch ‚Kraftquellen für jeden Tag‘ (Herder-Verlag 2019, S.42) habe ich folgendes gefunden:

V e r w a n d l u n g

Ist dir verheißen
Eine Spur zeigt sich dir
Die hinausführt aus Ohnmacht und Verlorenheit
Zu deiner inneren Kraft

Verwandlung ist dir zugesagt
Eine neue Lebenserfahrung öffnet sich dir
Die befreit von dem Irrtum
Alles unter Kontrolle zu haben

Verwandlung ist dir versprochen
Ein Weg in die Tiefe
Wo du einfach sein darfst
In Stärke und Verletzlichkeit

Er ergänzt: Wir sollten das Leiden nicht suchen und schon gar nicht verherrlichen. Doch Religion, was ja übersetzt ‚bewusste Bindung an eine höhere Macht‘ heißt, eröffne eine Spur, die uns in Momenten der Verzweiflung erlösen könne von der Angst, alleine auf uns angewiesen zu sein.

Darum Gnade uns Gott!

In herzlicher Verbundenheit,

Ihr Pfarrer Ekkehard Aupperle


13.04.2020

Liebe Sittenbächer Gmaa!

Die 10 Tage von Palmsamstag bis Ostermontag sind für mich normalerweise ein echter Marathon: Konfirmandenbeichte, Konfirmation, Hausabendmahle und dann natürlich die Tage vom Tischabendmahl am  Gründonnerstag bis zum Emmausweg am Ostermontag – Vorbereitungen inklusive. Dieser Marathon war dieses Jahr nicht.

Ein normaler Marathonläufer darf sich das nicht erlauben. Von Jan Frodeno, der letztes Jahr bei den allen Triathlons die Siegenkränze abgeräumt hatte, las ich, dass er jetzt alles zu Hause macht: Er hat ein Laufband, einen Heimtrainer für’s Radfahren und im kleinen Pool im Garten eine Gegenstromanlage. So bleibt er im Training – würde er noch einen Dynamo anschließen an den Geräten, hätte er seinen eigenen Strom.

An meinen Kindern, die jetzt natürlich alle mit zuhause sind, merke ich, wie schwer ihnen Leerlauf fällt. Wo kann man mal Dampf ablassen? Wo kann man mal richtig abhängen – wenn die gewohnten Freunde dazu fehlen?

Klar, die Hirtenbuben von früher, kannten sowas überhaupt nicht, und hatten vielleicht auch keine Bedürfnis danach – wir werden aber aus einer hohen Alltagsgeschwindigkeit radikal abgebremst.

Mit was kann man Leerlauf ausfüllen? Hoffentlich nicht mit „Abfüllen“ oder seelisches „Löcherstopfen“ – ok, manchmal kann das auch ein notwendiges Ventil sein – ich will mich da nicht drüber erheben.

Ich habe für mich die „Winkelmessen“ entdeckt – Klosterkirchen haben ja deshalb so viele Seitenaltäre, damit seinerzeit möglichst viele Mönche gleichzeitig eine Messe, meist für sich alleine, feiern konnten. Gebet, Bibellese, ein Lied und Stille sind auch ohne Kloster möglich.

Trotzdem fehlt das gemeinsame Leben des Glaubens.

Doch vielleicht finden wir ja sogar etwas österliches in dieser Quarantäne-Zeit – etwas, das Kraft hat, in uns Neues zu gebären.

Martin Luther war ja gewiss viel auf Achse – und dann hat er noch Bücher geschrieben, die eine ganze Wand ausfüllen. Er hat sich trotzdem immer gern mal längere Zeiten eingebremst. Dazu meinte er bildlich: ein aufgebrauster See kann den Himmel nicht spiegeln, das kann nur ruhige See.

Im Gesangbuch lesen wir dazu unter Nr.726:

„Gleichwie die Sonne in einem stillen Wasser gut zu sehen ist und es kräftig erwärmt, kann sie in einem bewegten, rauschenden Wasser nicht deutlich gesehen werden, auch erwärmt sie es nicht so sehr.

Darum willst du auch erleuchtet und warm werden durch das Evangelium, göttliche Gnade und Wunder sehen, dass dein Herz entbrannt, erleuchtet, andächtig und fröhlich werde, so gehe hin, wo du still sein und das Bild dir tief ins Herz fassen kannst, da wirst du finden Wunder über Wunder.“ Martin Luther

Diese verordnete Stille kann also wirklich österlichen Charakter haben.

In herzlicher Verbundenheit,

Ihr Pfarrer Ekkehard Aupperle